Erläuterung von PKM
Im Gegensatz zu konventionellen, kartesisch aufgebauten Maschinen entspricht bei
allen Parallel-Kinematik-Strukturen das Werkstück (Programmier)-
Koordinatensystem nicht dem Maschinen-Koordinatensystem. Dies hat zur Folge,
daß zur Programmierung der Maschine eine kinematische Transformation erfolgen
muß, die der Steuerung die Anweisung für das Verfahren der beteiligten
Maschinenachsen mitteilt. Aus diesem Grund haben wir für alle Maschinen mit einer
Kinematik, die nicht dem Werkstückkoordinatensystem entspricht – also auch bei
allen konventionellen 5-Achs-Maschinen – eine kinematik-abhängige
Echtzeittransformation realisiert, die auf der Steuerung abläuft. Dadurch kann die
NC-Programmierung die gesamte Bahnerzeugung im Werkstückkoordinatensystem
darstellen. Wir haben mittlerweile drei verschiedene Transformationen bzw. Parallel-
Kinematiken als Transformationen realisiert. Die klassische Hexapod-Kinematik mit
längenveränderlichen Gelenkstäben, die Paracop-Kinematik (auch als Linapod- bzw.
Triaglide-Kinematik bekannt) und die Tricept®-Kinematik.
Erreicht man bei kartesischen Maschinen die Arbeitsgenauigkeit mittels Justage der
mechanischen Komponenten (z.B. Linearführungen), so realisiert man dies bei PKM
durch Kalibrierung. D.h. die Werkstückqualität bestimmt jetzt maßgeblich der
Automatisierungs-Hersteller. Bei der Kompensation von Fehlern müssen
unterschiedliche Aspekte betrachtet werden. Fehler sind dabei statischer und
dynamischer Natur. Es handelt sich dabei um
- Spindelsteigungsfehler,
- die räumliche, nicht exakte Anordnung der Gelenke und das Gelenkverhalten,
- die temperaturbedingte Veränderung des Maschinenrahmens.
Diese Einflüsse können durch die Steuerung kompensiert werden. Die
Lösungsmöglichkeiten sind hier vielfältig. Wir können bezogen auf die einzelnen
Stäbe individuelle Spindelsteigungsfehler- oder Temperaturfehlerkompensationen
verwenden. Die statischen Fehler von Gelenkpunkten bzw. Gelenkverhalten
behandeln wir nicht dynamisch, sondern bei der Inbetriebnahme in Form der Auto-
Kalibrierung.
Bei der Kalibrierung geht es darum, die beschriebenen produktions- und montage-
bedingten Fehler bei den Gelenkpunkten und den Beinlängen zu erfassen und zu
kalibrieren. Für einen industriellen Einsatz einer neuen Maschine ist es von
entscheidender Bedeutung, daß der Kalibriervorgang einfach, zuverlässig und
schnell ist. Zur Zeit verfolgen wir drei Arten von Kalibrierung:
- Auto-Kalibrierung unter Verwendung eines redundanten, internen
Maschinenmeßsystems
- Kalibrierung durch Einmessen der Gelenkpositionen mit einem externen
Meßsystem
- Kalibrierung durch Verwendung eines Referenzwerkstücks.
Parallelstrukturen können grundsätzlich mit längenveränderlichen Stäben oder mit
Stäben fester Länge realisiert werden, was die Systematik der Antriebsarten zeigt.
Da sie in manchen Maschineneigenschaften, wie beispielsweise derTrägheit
bewegter Massen, der Steifigkeit und der Dynamik ein nichtlineares Verhalten
aufweisen, ist der Einsatz moderner Entwicklungstools notwendig. Dazu zählen
Simulationen der Antriebs- und Regelungstechnik, aber auch die finite Element
Analyse und Simulation des Mehrkörpersystems. Ein einfacher Weg zur ersten
Überprüfung der kinematischen Bestimmtheit bzw. funktion der PKM kann mit Hilfe
der Grübler-Formel durchgeführt werden.
|